Ganztagsangebot Theater

Theater für Schüler*innen ab der 5. Klasse

WER, WAS, und WO ist der Ausgangspunkt von Theaterimprovisationen. 
Die Jugendlichen stellen reale Bezüge zu einem antiken oder zeitgenössischen Theaterstoff des Lehrplans her und entwickeln ihr Theaterstück daraus. Innerhalb des Probenprozesses wird den Schülern neben Theater, auch Tanz, Dramaturgie, szenisches Schreiben, sowie Gesang und Sprachgestaltung vermittelt. 

Theater als zentrale Chance

Zusammen mit den benachbarten Bühnenkünsten Tanz und Performance gilt Theater als die flüchtigste aller Kunstformen. Sie ist nicht auf Konservierung und Dauer angelegt, sondern direkt und unmittelbar im Erleben aller Beteiligten, in der Zeiterfahrung und in der Kommunikation. Für die Kinder und Jugendlichen bietet diese Mischung aus Formgebung und Flüchtigkeit eine besondere Chance: Sie erlaubt ihnen eine Positionierung im „Hier und Jetzt“ in einer zentralen Entwicklungsphase ihres Lebens. Sie nehmen Stellung zu theatralen Gestaltungsmöglichkeiten, zu Themen, Figuren, Bezügen und Beziehungen sowie zum sozialen und gesellschaftlichen Umfeld, das sie umgibt. Diese Positionierung wird auf der Basis einer künstlerischen Formfindung veröffentlicht und kommunizierbar gemacht.  

Der Weg

Immer prägt der Erarbeitungsweg nicht nur die Ästhetik, Aussagekraft und Qualität einer Aufführung, sondern entscheidet auch über den Gewinn, den eine Gruppe und jeder einzelne Schüler aus der Theaterarbeit ziehen kann. Alle kennen das Ziel, doch keiner weiß schon am Anfang des Weges, wie es dort genau aussehen wird. Im folgenden möchte ich daher auch nur einige Stationen skizzieren, denn welche Erfahrungen, Verwandlungen und Entwicklungsmöglichkeiten die Strecke birgt, stellt sich erst im gehen raus. Die folgenden 6 Phasen beschreiben den Zeitraum eines Schulhabjahres, mit zweistündigen Proben in der Woche und Intensivtagen mit Schülern ab der 5. Klassenstufe. 

1.Phase: Reinspringen- Motivation, Begeisterung schaffen

Den Schülern soll mit Gruppenübungen und Theaterimprovisationen im thematischen Umfeld ausgewählter Stücke ein Zugang zu den Stückinhalten und theatralen Darstellungsformen ermöglicht werden. Die Stückauswahl bezieht sich ggf. auf den Lehrplan und erfolgt im Ideafall in Zusammenarbeit mit den Fächern Deutsch und Kunst. 
Eine Stückentwicklung oder die Entscheidung für eine ausgewählte Geschichte, wird gemeinsam mit den Schülern gertroffen. 

2.Phase: Breite schaffen/ Material finden

Improvisationen dienen der weiteren Annährung an das ausgewählte Stück, sowie dem Auffinden brauchbarer theatraler Darstellungsmittel.
Es folgen Rollenexperimente, Erprobung der Besetzungsmöglichkeiten, Körperarbeit, Stimmarbeit, Sensibilisierungsübungen, die sich auf Erfordernisse und Möglichkeiten des Stücks beziehen. Raumexperimente und Überlegungen zum Bühnenbild und Kostümgestaltung werden, wenn möglich, in Zusammenarbeit mit den Fachkollegen durchgeführt. Im Deutschunterricht können theatertheoretische und/oder das Thema umkreisende Texte gelesen werden.

3.Phase: Entscheidungen, Kräftekonzentration

Die Richtung der theatralen Gestaltung wird festgelegt.
Es kommt zur Bildung von Arbeitsgruppen: Kostüm- und Bühnengestaltung, Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit und Organisation (unter Einbeziehung der Fachlehrer) 

4.Phase: Erarbeitung im engeren Sinn

Mit Körpertraining und Improvisationen zu Gestaltungsaufgaben. Die Inszenierung wird szenisch erarbeitet und die Stückfassung konkretisiert. 

5.Phase: Zusammenfassung der Ergebnisse

Verschiedene Durchlaufproben mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, z.B. mit  Kostümen, mit Licht sowie die Erprobung von Schminke bestimmen die letzten Treffen vor der Aufführung. Das Programmheft und Plakat wird fertig gestellt und die Aufführung organisatorisch vorbereitet. 

6.Phase: Aufführung

Aufführungsvorbereitendes Training und ein letztes toi, toi, toi. Anschließendes Gespräch mit Zuschauern und Spielern.
Auswertung und Reflexion mit den Schülern und Kollegen.   

Praxis – Reflexion

Das Tun, das heißt trainieren, experimentieren, improvisieren und gestalten, und geht der Reflexion, Diskussion und Einordnung voraus. Die Spieler erfahren sich zunächst als handelte, gewinnen eine Position im gestaltenden Tun und in der Beobachtung, bevor über Inhalte, Gestaltungsform und –alternativen nachgedacht, gelacht, gestritten und vielleicht sogar gekämpft werden kann. Diskussionen und weitergehende Fragestellungen haben dann einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund und ein Gestaltungsziel.

„Wir können nur etwas erkennen und anerkennen wenn wir selbst erkannt und anerkannt werden.“

P A U L   R I C O E U R